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Nemesis Interview (Juli 2006)

Nachdem der Vierer aus Leverkusen die Bühne zum ersten Mal im Schwobaländle gerockt hat, wurden die Kerlchen beinahe umgehend von Kampfzwerg Selina von der Bühne gezerrt und ausgequetscht. Jussi antwortete geduldig im Namen der ganzen Band. Frisches Fleisch für altbewährte Musik.

Selina: Da ihr noch eine sehr unbekannte Band -zumindest außerhalb Leverkusens - seid, denke ich, kann es nicht verkehrt sein, sich der einen oder anderen Standardfrage zu bedienen. Ihr hattet z. B. bis zum heutigen Tag erst vier Gigs. Seit wann gibt es euch und wie seid ihr entstanden?
Jussi: Uns gibt es erst seit Anfang 2003. Javed, David und ich wollten schon vorher Musik machen, haben allerdings keine Probemöglichkeit gefunden.
S: Ist die Besetzung in der ihr heute auftretet die Urbesetzung?
J: Ja, eigentlich schon. Wir haben uns als Trio gegründet, da es in Leverkusen nicht so einfach ist einen fähigen Bassisten zu finden. Also fingen wir mit zwei Gitarren und Schlagzeug an. Ich wollte von Anfang an keinen Nur-Sänger, aber es dauerte 'ne Weile, bis ich den Posten übernommen habe.
S: Habt ihr andere Bands, Nebenprojekte oder Vor-
gängerbands?
J: Es gibt keine direkte Vorgängerband zu KoS. Bis auf Stefan war auch keiner von uns vorher in irgendwelchen anderen Bands tätig. Stefan war Sänger und Bassist bei AMETROPIE (Black-Metal-Urgestein aus Leverkusen). Die haben sich aufgelöst und sich unter dem Namen INEXISTENT mit anderem musikalischem Schwerpunkt neu gegründet. Wir haben Stefan zu uns ins Boot geholt und ich bin bei INEXISTENT als Basser eingestiegen.

S: Was sind die Hauptbeweggründe, warum ihr Musik macht?
J: Das wird wohl bei vielen so sein: Die Freude am Musikmachen! Es ist toll, wenn Leute auf dich zukommen und dir sagen, wie gut ihnen deine Musik gefällt oder dir ein Interview anbieten.
S: Ja, das gefällt euch, gell? Habt ihr auch schon einmal eine solche Scheißkritik bekommen, dass ihr gar keinen Bock mehr auf das Musikmachen hattet? Oder denkt ihr, so was kommt erst später, wenn man sich einigermaßen einen Namen gemacht hat?
J: Hm, bis jetzt haben wir nur ein Review des Demos auf Metalius.de bekommen. Das ist sehr gut ausgefallen, obwohl wir dafür noch nicht mal wen bestochen haben. Wir sind bewusst mit dem Demo nicht großartig an die Presse gegangen, daher blieben gute wie schlechte Kritiken aus. Aber eine Scheißkritik wäre auf keinen Fall ein Grund, die Brocken hinzuschmeißen. Man kann es halt nie allen recht machen.
S: Nach eigener Aussage entsprechen die drei Demosongs von euch nicht eurem jetzigen Können. Was erwartet uns bei eurem ersten Album?
J: Na ja, das eigentlich Problem ist nicht die Qualität der Songs, sondern eher der Sound des Demos. Dazu kommt natürlich, dass sich jede Band weiterentwickelt. Ich möchte hier jetzt nicht mit 08/15-Geschwätz über kommende Veröffentlichungen anfangen, daher mein Tipp: Kommt zu unseren Konzerten und überzeugt euch selber davon, was unser erstes Album bringen wird!

S: In den Texten, die ich bisher gelesen habe, geht es hauptsächlich um Rassismus, die Medien und um die fanatische Anbetung eines Gottes/Herrschers. Nimm zu den drei Themen Stellung!
J: Bevor man die Frage missversteht, es geht gegen Rassismus! Und auch das ist nur ein kleiner Teil des Inhalts von "Tyrant". Ich denke, die Texte an sich geben genug Auskunft darüber, was wir davon halten oder wie wir Dinge sehen.

S: Sind die Texte sehr wichtig für euch?
J: Ja, definitiv!
S: Das Götterbild eurer Band? Ich hätte auf etwas in Richtung KREATOR getippt.
J: KREATOR sind cool, keine Frage. Aber als "Götterbild" würde ich sie nicht bezeichnen. Wir folgen keinen Vorbild oder sagen "so wie die Band wollen wir klingen". Das wäre ziemlicher Unsinn, da man sich so nur unnötig selber Grenzen aufbaut. Bei uns gibt es so etwas nicht. Wir machen einfach was uns gefällt. Getreu dem Motto: "Hauptsach' et groovt, wa!"

S: Wie sieht es in Leverkusen mit der Metalszene aus?
J: Wir organisieren wieder Metalkonzerte in Leverkusen und waren echt erstaunt, wie viele Leute erschienen sind. Es gab hier eine ganze Zeit metalmäßig so gut wie keine Konzerte. Wie sind dabei das zu ändern. Ansonsten tobt in Leverkusen größtenteils immer noch der Punk und mittlerweile auch etliche EmoCore-Bands.
S: Gibt es irgendwelche coole Kultschuppen?
J: Kultschuppen, die ein "Metal-Tourist" in Leverkusen besuchen sollte, gibt es nicht. Es gibt hier tatsächlich eine Metaldisco, das "Shadow". Ansonsten bevorzugen wir eher Läden in Köln, da
gibt's ein paar echt coole!
S: Was macht man in Leverkusen, wenn man sich nicht für Medikamente interessiert?
J: Hehe, es dreht sich hier doch nicht alles um Medikamente. Ich würd' sagen, auch in Leverkusen geht man einem fast normalen Leben nach!

S: Der Gig in Bietigheim-Bissingen war der erste außerhalb eurer Heimatstadt. Wie fandet ihr die Schwaben als Publikum?
J: Da uns keiner kannte, hatten wir nicht erwartet, dass wir den ganz großen Otto los machen können. Später hat man uns gesteckt, dass die Schwaben wohl immer ein wenig distanzierter wären. Trotzdem kamen nach dem Konzert einige Leute an, denen es wirklich gut gefallen hat. Leider hatten wir kein Merchandise dabei, da wir uns entschieden haben, stattdessen doch lieber einen Kumpel mitzunehmen. Uns hat es jedenfalls super gefallen und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch öfter im Schwabenländle rocken dürfen!
S: Was für Unterschiede konntet ihr sonst in der Mentalität der Menschen feststellen?
J: Der größte Unterschied, der uns sofort aufgefallen ist, ist die Freundlichkeit. Wir sind kurz vor dem Soundcheck ins "Dörfle" gegangen, um nach der langen Anfahrt endlich was zu essen. Alle waren echt nett und aufgeschlossen. Da musste man sich einfach sofort wohl fühlen.

S: Nachdem eine andere Band behauptet hat, sie würden demnächst Nippelkleber als Merchandiseartikel herausbringen, dies aber nie geschehen ist, würde mich nun kreative Ideen eurerseits interessieren!
J: Du meinst verrückte Merchandiseideen?
S: Genau.
J: Vielleicht kriegen wir ja mal ein Bayer-Endorsement, dann gibt's auf unseren Konzerten KINGDOM-OF-SALVATION-Aspirin mit kleinem KoS-Logo auf den Tabletten, oder so ein Schwachsinn. Für den hämmernden Schädel am nächsten Tag.

S: "Das Königreich der Erlösung": Von was möchtet ihr die Menschheit/euch selbst am liebsten erlösen?
J: Oh, ich würde sagen von schlechter Musik, mit der man täglich zugebombt wird! Ansonsten ist "Das Königreich der Erlösung" auf sehr viele Arten und sehr individuell zu interpretieren. Jeder kann seine eigene Bedeutung für unseren Bandnamen und die Texte finden. Die Leute, die da keinen Bock drauf haben, können einfach unsere Musik genießen.