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Nachdem der Vierer aus Leverkusen die Bühne zum
ersten Mal im Schwobaländle gerockt hat, wurden die Kerlchen beinahe
umgehend von Kampfzwerg Selina von der Bühne gezerrt und
ausgequetscht. Jussi antwortete geduldig im Namen der ganzen Band.
Frisches Fleisch für altbewährte Musik.
Selina: Da ihr noch eine sehr unbekannte Band -zumindest
außerhalb Leverkusens - seid, denke ich, kann es nicht verkehrt
sein, sich der einen oder anderen Standardfrage zu bedienen. Ihr
hattet z. B. bis zum heutigen Tag erst vier Gigs. Seit wann gibt es
euch und wie seid ihr entstanden?
Jussi: Uns gibt es erst seit Anfang 2003. Javed, David und
ich wollten schon vorher Musik machen, haben allerdings keine
Probemöglichkeit gefunden.
S: Ist die Besetzung in der ihr heute auftretet die
Urbesetzung?
J: Ja, eigentlich schon. Wir haben uns als Trio gegründet, da
es in Leverkusen nicht so einfach ist einen fähigen Bassisten zu
finden. Also fingen wir mit zwei Gitarren und Schlagzeug an. Ich
wollte von Anfang an keinen Nur-Sänger, aber es dauerte 'ne Weile,
bis ich den Posten übernommen habe.
S: Habt ihr andere Bands, Nebenprojekte oder Vor-
gängerbands?
J: Es gibt keine direkte Vorgängerband zu KoS. Bis auf Stefan
war auch keiner von uns vorher in irgendwelchen anderen Bands tätig.
Stefan war Sänger und Bassist bei AMETROPIE (Black-Metal-Urgestein
aus Leverkusen). Die haben sich aufgelöst und sich unter dem Namen
INEXISTENT mit anderem musikalischem Schwerpunkt neu gegründet. Wir
haben Stefan zu uns ins Boot geholt und ich bin bei INEXISTENT als
Basser eingestiegen.
S: Was sind die Hauptbeweggründe, warum ihr Musik macht?
J: Das wird wohl bei vielen so sein: Die Freude am
Musikmachen! Es ist toll, wenn Leute auf dich zukommen und dir
sagen, wie gut ihnen deine Musik gefällt oder dir ein Interview
anbieten.
S: Ja, das gefällt euch, gell? Habt ihr auch schon einmal
eine solche Scheißkritik bekommen, dass ihr gar keinen Bock mehr auf
das Musikmachen hattet? Oder denkt ihr, so was kommt erst später,
wenn man sich einigermaßen einen Namen gemacht hat?
J: Hm, bis jetzt haben wir nur ein
Review des Demos auf
Metalius.de
bekommen. Das ist sehr gut ausgefallen, obwohl wir dafür noch nicht
mal wen bestochen haben. Wir sind bewusst mit dem Demo nicht
großartig an die Presse gegangen, daher blieben gute wie schlechte
Kritiken aus. Aber eine Scheißkritik wäre auf keinen Fall ein Grund,
die Brocken hinzuschmeißen. Man kann es halt nie allen recht machen.
S: Nach eigener Aussage entsprechen die drei Demosongs von
euch nicht eurem jetzigen Können. Was erwartet uns bei eurem ersten
Album?
J: Na ja, das eigentlich Problem ist nicht die Qualität der
Songs, sondern eher der Sound des Demos. Dazu kommt natürlich, dass
sich jede Band weiterentwickelt. Ich möchte hier jetzt nicht mit
08/15-Geschwätz über kommende Veröffentlichungen anfangen, daher
mein Tipp: Kommt zu unseren Konzerten und überzeugt euch selber
davon, was unser erstes Album bringen wird!
S: In den Texten, die ich bisher
gelesen habe, geht es hauptsächlich um Rassismus, die Medien und
um die fanatische Anbetung eines Gottes/Herrschers. Nimm zu den
drei Themen Stellung!
J: Bevor man die Frage missversteht, es geht gegen
Rassismus! Und auch das ist nur ein kleiner Teil des Inhalts von
"Tyrant". Ich denke, die Texte an sich geben genug Auskunft
darüber, was wir davon halten oder wie wir Dinge sehen. |
S: Sind die Texte sehr wichtig für euch?
J: Ja, definitiv!
S: Das Götterbild eurer Band? Ich hätte
auf etwas in Richtung KREATOR getippt.
J: KREATOR sind cool, keine Frage. Aber als "Götterbild"
würde ich sie nicht bezeichnen. Wir folgen keinen Vorbild oder
sagen "so wie die Band wollen wir klingen". Das wäre ziemlicher
Unsinn, da man sich so nur unnötig selber Grenzen aufbaut. Bei
uns gibt es so etwas nicht. Wir machen einfach was uns gefällt.
Getreu dem Motto: "Hauptsach' et groovt, wa!"
S: Wie sieht es in Leverkusen mit der Metalszene aus?
J: Wir organisieren wieder Metalkonzerte in Leverkusen
und waren echt erstaunt, wie viele Leute erschienen sind. Es gab
hier eine ganze Zeit metalmäßig so gut wie keine Konzerte. Wie
sind dabei das zu ändern. Ansonsten tobt in Leverkusen
größtenteils immer noch der Punk und mittlerweile auch etliche
EmoCore-Bands.
S: Gibt es irgendwelche coole Kultschuppen?
J: Kultschuppen, die ein "Metal-Tourist" in Leverkusen
besuchen sollte, gibt es nicht. Es gibt hier tatsächlich eine
Metaldisco, das "Shadow". Ansonsten bevorzugen wir eher Läden in
Köln, da
gibt's ein paar echt coole!
S: Was macht man in Leverkusen, wenn man sich nicht für
Medikamente interessiert?
J: Hehe, es dreht sich hier doch nicht alles um
Medikamente. Ich würd' sagen, auch in Leverkusen geht man einem
fast normalen Leben nach!
S: Der Gig in Bietigheim-Bissingen war der erste
außerhalb eurer Heimatstadt. Wie fandet ihr die Schwaben als
Publikum?
J: Da uns keiner kannte, hatten wir nicht erwartet, dass
wir den ganz großen Otto los machen können. Später hat man uns
gesteckt, dass die Schwaben wohl immer ein wenig distanzierter
wären. Trotzdem kamen nach dem Konzert einige Leute an, denen es
wirklich gut gefallen hat. Leider hatten wir kein Merchandise
dabei, da wir uns entschieden haben, stattdessen doch lieber
einen Kumpel mitzunehmen. Uns hat es jedenfalls super gefallen
und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch öfter im Schwabenländle
rocken dürfen!
S: Was für Unterschiede konntet ihr sonst in der
Mentalität der Menschen feststellen?
J: Der größte Unterschied, der uns sofort aufgefallen
ist, ist die Freundlichkeit. Wir sind kurz vor dem Soundcheck
ins "Dörfle" gegangen, um nach der langen Anfahrt endlich was zu
essen. Alle waren echt nett und aufgeschlossen. Da musste man
sich einfach sofort wohl fühlen.
S: Nachdem eine andere Band behauptet hat, sie würden
demnächst Nippelkleber als Merchandiseartikel herausbringen,
dies aber nie geschehen ist, würde mich nun kreative Ideen
eurerseits interessieren!
J: Du meinst verrückte Merchandiseideen?
S: Genau.
J: Vielleicht kriegen wir ja mal ein Bayer-Endorsement,
dann gibt's auf unseren Konzerten KINGDOM-OF-SALVATION-Aspirin
mit kleinem KoS-Logo auf den Tabletten, oder so ein Schwachsinn.
Für den hämmernden Schädel am nächsten Tag.
S: "Das Königreich der Erlösung": Von was möchtet ihr die
Menschheit/euch selbst am liebsten erlösen?
J: Oh, ich würde sagen von schlechter Musik, mit der man
täglich zugebombt wird! Ansonsten ist "Das Königreich der
Erlösung" auf sehr viele Arten und sehr individuell zu
interpretieren. Jeder kann seine eigene Bedeutung für unseren
Bandnamen und die Texte finden. Die Leute, die da keinen Bock
drauf haben, können einfach unsere Musik genießen. |